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"Roadbook Tour de France" von Kristian Bauer
Damit sich jeder ein Bild machen kann, wie der Rennradführer Bergstrecken der Tour de France aufgebaut ist, habe ich unten ein paar Screenshots eingebaut. Jeder Pass wird übersichtlich dargestellt mit Höhenprofil zum Mont Ventoux, Alpe D'Huez etc. Ich habe wirklich die schönsten und wichtigsten Pässe ausgewählt.
Beispielseiten als Grafik


Lance Armstrong funktionierte bei der Tour zuverlässig und geräuschlos wie ein Schweizer Uhrwerk. Jahrelang mussten seine Gegner zusehen wie er ihnen davonzog, das Publikum nahm es fast schon gelangweilt zur Kenntnis. Den Kopf tief nach unten gebeugt, seine Halskette baumelt im Rhythmus von links nach rechts und im Stehen tritt er eine mörderische Frequenz von rund 115 Umdrehungen in der Minute. Während ihm der Schweiß heruntertropft wird der Abstand zu seinen Verfolgern immer größer und am Ende folgen Etappensieg und das Gelbe Trikot als Belohnung. Er macht seit seinem sensationellen Comeback keine Fehler und erscheint unbesiegbar. Immer? Fast immer! Es war eine kleine Sensation als auf der Tour 2000 Armstrong aus dem Tritt gerät und nicht mehr mithalten kann. Dabei lief es auf dieser Etappe bisher ganz nach dem Drehbuch des Texaners.
Schon beim Start ist klar, dass es heute gewaltig krachen wird im Feld, denn es liegt echter Ärger in der Luft. Marco Pantani und Lance Armstrong liegen sich gegenseitig in den Haaren und stacheln sich über die Presse an. Auslöser war die Etappe am Ventoux, als Armstrong dem Italiener den Etappensieg „schenkte“. Doch „der Pirat“ will nichts von einem Geschenk wissen, sieht sich als den überlegenen Fahrer. Die beiden Radprofis haben sich gegenseitig so heiß gemacht, dass ein spannendes Duell zu erwarten ist. „Wenn er glaubt, dass wir miteinander fertig wären, hat er sich gewaltig geirrt“, warnte Pantani. Armstrong heizte die Stimmung an in dem er vom „Elefantino“ sprach, einem Spitznamen in Anspielung auf Pantanis große Ohren.
Pantani lässt es gleich am ersten Anstieg kräftig knallen. Er legt am Col des Saisies ein mörderisches Tempo vor. Die Hände wie immer am Unterlenker springt er nach vorne und lässt Armstrong stehen. Doch hinter der kühlen Fassade ist Armstrong auf 180. Auch für Jan Ullrich steht viel auf dem Spiel, denn noch steht er im Gesamtklassement auf Platz zwei, Pantani ist nur noch wenige Sekunden hinter ihm. Nach 70 Kilometern scheint es schlimm zu kommen: Pantani hat Ullrich vom zweiten Platz verdrängt und auch bei US Postal klingeln jetzt die Alarmglocken. Die Verfolger machen jetzt richtig Dampf und am Col de la Colombière ist der Abstand auf Pantani bereits geschmolzen. In halsbrecherischer Fahrt geht es bergab zum Fuße des Côte de Châtillon-sur-Cluses immer näher an Pantani heran. Der Anstieg am Col de Joux-Plane wird zum spannendsten Moment der Tour 2000. Die Gruppe um Armstrong schließt zu Pantani auf und fährt schließlich vorbei. Der Mann im rosa Radtrikot ist geschlagen und fällt zurück. Jetzt bestimmt Armstrong das Tempo, ein Fahrer nach dem anderen muss abreißen lassen. Schließlich sind nur noch Jan Ullrich, Richard Virenque und Roberto Heras dabei. Als Heras attackiert, zeigt sich plötzlich die Sensation: Armstrong gerät aus dem Tritt, tiefe Furchen bilden sich auf seiner Stirn. Schwer treten seine Beine in die Pedale und er fällt immer weiter zurück. Ullrich und Virenque setzen dem Spanier nach und können kaum glauben, was sich da abspielt. Handelt es sich um einen Bluff des Amerikaners. Doch als sie Meter um Meter gewinnen, ist klar, dass Armstrong diesmal wirklich einen Einbruch hat.
„Zuerst war da diese bezeichnende Müdigkeit in den Beinen, gefolgt von einem Leeregefühl im Magen. Virenque und Ullrich schlossen auf...und zogen einfach an mir vorbei. Anfangs versuchte ich noch, mich an sie ranzuhängen und mich durch den Schmerz hindurchzuzwingen, aber unweigerlich wurde ich langsamer...und noch langsamer. Nicht lange, und ich hatte das Gefühl, als würde ich rückwärts den Berg hinunterrollen. Noch zehn Kilometer bis zum Ziel, aber mir kamen sie vor wie 100 Kilometer“. So beschreibt Lance Armstrong seine Gefühle in seiner Biografie „Jede Sekunde zählt“.
Jan Ullrich steht kurz vor einem Etappensieg, doch vor der Abfahrt verliert er bei einem Radwechsel kostbare Zeit. Die Bremsbacken seines Rades waren zu stark abgefahren. Gezeichnet von den Strapazen versteuert sich Heras und kracht kurz vor dem Ziel in ein Absperrgitter, Ullrich kommt mit 24 Sekunden Rückstand auf Virenque als Zweiter ins Ziel. Doch das Duell Pantani gegen Armstrong ist viel spannender. Pantani verliert über 13 Minuten und ist so entkräftet, dass er die Tour aufgeben muss. Armstrong befindet sich fast im Delirium und sein sportlicher Leiter befürchtet, dass er das Rennen aufgibt. Doch er kämpft sich Meter für Meter weiter und am Ende verliert nur 90 Sekunden. Wieder einmal kann er in Paris aufs Treppchen steigen, doch selten war ein Scheitern so nah: „Das war der schlimmste Tag, den ich je auf einem Rad hatte. Um ein Haar hätte ich die Tour de France verloren“.
Also wer das Pässefahren mit dem Rennrad liebt, wird nicht enttäuscht werden. Trans Alp mit dem Rennrad ist schön, aber das ist schöner :-)
Detaillierte Besprechung (1. Auflage): Cycling4fans.de Infos zum Autor: journalistenpool.de
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